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Landlebensraum

Landlebensraum

Am regulierten Alpenrhein (und den Unterläufen seiner grösseren Zuflüssen Vorder- und Hinterrhein, Plessur, Landquart, Ill) wird der Flussraum weitestgehend durch Hochwasserdämme begrenzt. Mit zunehmender Sohlen­breite nehmen zunächst die Zahl und Fläche der aquatischen Habitate, danach die der Habitate der Übergangszonen und zum Schluss die terrestrischen Habitate an Zahl, Dimension und Qualität zu.

Zusammenhang zwischen Flussraumbreite und der Entwicklung von Morphologien und Lebensräumen im Wasser und an Land am Alperhein (Quelle: Schälchli 2016, Rey & Boller 2016, ergänzt)
Zusammenhang zwischen Flussraumbreite und der Entwicklung von Morphologien und Lebensräumen im Wasser und an Land am Alperhein (Quelle: Schälchli 2016, Rey & Boller 2016, ergänzt)

Fauna und Flora

Der Kenntnisstand über die Fauna und Flora der Kiesbänke und Auenbereiche zwischen den Rheindämmen und Vorländern ist noch lückenhaft oder sehr spezifisch auf einzelne Tier- und Pflanzengruppen wie die Kiesbankbrüter und andere Limikolen (Watvögel) beschränkt. Erstmals wurden 2015 im Zuge des Basismonitorings der IRKA auch quantitative Untersuchungen des Landlebensraumes durchgeführt (Bericht Basisimonitoring Ökologie 2015). Bei den Untersuchungen nicht berücksichtigt wurden die sogenannten Sekundärbiotiope (vom Menschen geschaffene Lebensräume), wie die auf den Rheindämmen entstandenen Trockenwiesen. Generell ist die Funktionsfähigkeit der natürlich entstandenen Landlebensräume durch die täglichen Wasserspiegelschwankungen (Schwall-Sunk) durch den Kraftwerkbetrieb und durch das unnatürliche Geschiebe und Schwebstoffregime stark beeinträchtigt.

Im Rahmen der Untersuchungen 2015 zeigte sich, dass neben den weitgehend fehlenden Flussauen auch dauerhaft bewachsene Kiesbänke und Flussinseln zu den seltensten und daher am stärksten gefährdeten Lebensräumen des Alpenrheintals zählen. Mehr oder weniger funktionsfähige Reste solcher Lebensraumelemente existieren noch an folgenden Abschnitten des Alpenrheins:

·              in den Hinterrheinauen von Rhäzüns und Bonaduz,

·              im Vorderrhein zerstreut über die gesamte Rheinschlucht und bei Ilanz/Castrisch,

·              im Bereich Felsberg auf einer kurzen Strecke oberhalb der Plessurmündung,

·              innerhalb weniger naturnaher Bereiche zwischen Oldis und Untervaz,

·              in den Mastrilser Auen und

·              auf einigen der alternierenden Kiesbänke (Tardisbrücke bis Illmündung).

Da die naturnahen Landlebensräume so selten sind und zu weit auseinanderliegen, gibt es kaum einen Austausch von Tier-und Pflanzenarten zwischen diesen ökologisch wertvollen Gebieten. Die wenigen intakten Lebensräume reichen nicht aus, um eine Neubesiedelung aus diesen Rückzugsräumen nach ungünstigen Extremereignissen nachhaltig zu sichern. Die wenigen Trittseine der noch von typischen Kiesbankarten besiedelten Lebensräume liegen zu weit auseinander.

Erst Renaturierungen mit einer ausreichenden Flussraumbreite für die Entwicklung eines Landlebensraums in geringerer Distanz zueinander (Trittsteine) könnten diese Situation massgeblich verbessern.

Weitere Info: Bericht „Habitatflächen am Alpenrhein“